Baikal, Trampeltierstute, geboren ca. 1988:

Baikal’s Geburtort ist nicht bekannt aber den Angaben ihrer Vorbesitzern nach wurde sie sehr wahrscheinlich in einem DDR-Tierpark geboren und kam über einen Händler kurz nach der deutschen Wiedervereinigung in einen kleinen, ostdeutschen Tierpark. Die privat geführte Anlage war bei der Auflösung in einem jämmerlichen Zustand und die Tierhaltung wurde aus finanzieller Not aber auch aus Tierschutzgründen beendet.
Baikal war zu diesem Zeitpunkt eines der letzten Tiere welche noch nicht in einem anderen Zoo untergebracht worden war und erwartete uns bei ihrer Abholung in einem winzigen, dunklen Verschlag mit einer ebenso winzigen „Aussenanlage“. Offenbar wurde sie vorher schon mehrere Jahre ohne Gesellschaft unter katastrophalen Bedingungen gehalten. Neben ihrem bedauernswerten äusserlichen Zustand war dies gut an den schweren Verhaltensstörungen zu erkennen, welche Kamele bei schlechter Haltung entwickeln. Abzüglich der Schlafperiode zeigte Baikal mindestens 80% der Zeit massive Bewegungsstereotopien.

Der einzige Lichtblick war das ca einjährige Hengstfohlen das ihr Abwechslung verschaffte und um welches sie sich rührend kümmerte. Der Vater war ein Hengst von einem anderen Halter, zu welchem sie als kurze Unterbrechung ihrer Einzelhaft zum Decken gebracht wurde.
Das Fohlen war in ähnlich schlechtem Zustand, hatte jedoch aufgrund seiner Jugend noch keine Verhaltensstörungen entwickelt.

Nach ihrer Ankunft auf dem Kamelhof Olmerswil im 2009 hat Baikal die riesige Weide und die anderen Kamele nicht beachtet, da sie dies einfach nicht kannte und überfordert war. Lange Zeit hat sie sich stattdessen eine Ecke am Zaun oder im Stall gesucht und sich ihren Verhaltensstörungen gewidmet.

Nur Dank viel persönlicher Zuwendung, einem abwechslungsreichen Alltag und nicht zuletzt den anderen „aufdringlichen“ Kamele, welche mit ihr Freundschaft schliessen wollten, hat sie sich entschlossen, wieder am Leben teilzunehmen! Ihre typische Verhaltensstörung zeigt sich mittlerweile nur noch selten in Momenten von grossem Stress oder Langeweile. Aber eine Angewohnheit hat sie leider bis heute nicht aufgegeben: Baikal weidet nicht! Wir vermuten sie hat es durch die lange Zeit ohne Zugang zu einer grünen Wiese „vergessen“ oder „verlernt“. Geschnittenes Gras, welches auf einem Haufen im Stall liegt, wird gerne von ihr gefressen – aber selber pflücken scheint ihr nicht in den Sinn zu kommen!

Abgesehen von ihrer miserablen seelischen Verfassung war sie auch körperlich in einem sehr schlechten Zustand. Sie war total verwurmt, unterernährt und ihr Fell war aufgrund von Milben und Hautpilz völlig kaputt. Als Höhepunkt mussten wir auch noch feststellen, dass ihre Mundhöhle der Hauptgrund für den schlechten Ernährungszustand war: In ihrer Zunge befand sich ein gewaltiger Abszess welcher bei der tierärztlichen Behandlung grosse Mengen Eiter hervorbrachte. Ausserdem mussten wir ihr in der nachfolgenden Zeit im Tierspital Zürich mehrere komplett kaputte Backenzähne ziehen lassen! Da Kamele ihr Futter wiederkäuen muss sie unter fürchterlichen Zahnschmerzen gelitten haben. Nach der umfangreichen tierärztlichen Behandlung, bei welcher wir glücklicherweise auf das engagierte und kompetente Team des Tierspitals in Zürich vertrauen konnten, hat sie sich erstaunlich schnell erholt. Und auch wenn sie täglich eine extraweiche Spezialfuttermischung statt Heu und Stroh benötigt, frisst sie dieses seit Jahren mit grossem Appetit!